20/05/2026
Walking Tour in Verona: die Stadt, die man nur zu Fuß lesen kann
Es war der 16. September 1786, als Johann Wolfgang Goethe zum ersten Mal nach Verona kam. Der deutsche Schriftsteller — siebenunddreißig Jahre alt, bereits in ganz Europa berühmt, reiste unter einem falschen Namen, um nicht erkannt zu werden — unternahm seine erste Reise durch Italien. Die erste große Stadt, auf die er stieß, als er vom Brennerpass herabstieg, war Verona.
Was ihn beeindruckte, war kein Palast, keine Kirche, kein Gemälde. Es war die Arena. Er stieg aus der Kutsche, betrat das Amphitheater zu Fuß, kletterte bis nach oben, schaute hinunter. Und schrieb in sein Tagebuch: „Dieses Amphitheater ist also das erste bemerkenswerte Denkmal des Altertums, das ich gesehen habe, und in welchem Erhaltungszustand!“ Er hatte gerade das getan, was Reisende des Grand Tour per definitionem taten: er war durch die Geschichte gewandert.
Goethe wusste es nicht, aber er wiederholte etwas, das Besucher Veronas seit Jahrhunderten getan hatten. Denn Verona ist eine Stadt, die man nicht im Stehen begreifen kann. Man muss sie gehend lesen.